PACES

Tja was ist das? Paces ist der Überbegriff für die 4 „Straßenkinderprojekte“ Cuencas, von denen ich 2 kennenlernen (9 de Octubre + Feria Libre) durfte und in einem – Feria Libre – das ganze Jahr über arbeiten werde.

Das Grundschema vom Paces ist folgendes: Die Kinder bekommen für 10c/Tag (in $ - sprich in EUR noch weniger) ausreichend ausgewogene Ernährung (Suppe, leckeren Fruchtsaft, Salat, Gericht mit Reis und Jause) und können, wenn sie wollen, zur Hausübungsbetreuung, zum Lernen oder zum Spielen da bleiben.

Die Kids (5-16 Jahre) sind aber soweit ich bis jetzt mitbekommen habe keine Straßenkinder (da es in dieser Großstadt glaub ich keine gibt), sondern Kinder aus ärmlichen Verhältnissen, zu deren Alltag oftmals Gewalt zählt und Zuwendung leider eher weniger. Einige der Kinder sind „niños trabajadores“ also arbeitende Kinder – meistens verkaufen sie auf der Straße oder auf den Märkten irgendetwas oder putzen Schuhe. Viele tragen jeden Tag das selbe schmutzige Gewand und machen generell einen ungepflegten Eindruck. Sie brauchen alle viel Liebe, Geduld, Aufmerksamkeit und Zuneigung. Im Großen und Ganzen sind sie sehrsehr lieb und einige laufen uns zur Begrüßung mit einem Grinsen und offenen Armen entgegen. :))

9 de octubre

(in Deutsch: 9. Oktober – ziemlich interessanter Name für so ein Projekt denkt ihr euch bestimmt … aber in Ecuador haben auch viele Straßen ein Datum als Name)

Zum Mittagessen kommen etwa 60 Kinder, von denen etwa 50 zur Hausübungsbetreuung bleiben.

Die Aufgabe der 3 Volontäre (ein Ecuadorianer, 2 Österreicher) ist hier beim Mittagessen zu helfen – d.h.: Austeilen, Schauen dass aufgegessen und weggeräumt wird, Tische (+angepatzte Sessel) wischen und wegräumen und Auskehren (da schaut's immer recht lustig aus..).

Danach geht’s an das Hausübung machen: Obwohl nie alle Hilfe brauchen (wäre unmöglich) hört man trotzdem von zu vielen Kinder zu gleich „Ayudameee!!!!“ (=Hilf mir!!) - besonders von den Jüngeren, die teils die Angabe ihrer HÜ noch nicht lesen können. Man merkt schnell, dass im Endeffekt immer die gleichen Kinder Hilfe brauchen, da einige von ihnen enorme Lernlücken aufweisen.

Von einem Mädchen mit dem ich ein paar Mal gearbeitet habe möchte ich euch erzählen: Sie ist 9 Jahre alt und geht in die 5. Klasse, wobei ich keine Ahnung habe wie sie es so weit geschafft hat, da sie nicht wirklich lesen kann und die Wörter so falsch und verdreht schreibt, dass man sie nicht mehr erkennt → So haben wir für 7 extra-kurze und einfache Sätze eine Dreiviertelstunde gebraucht... Leider tut sie sich auch mit Zahlen nicht leichter: 1009+1 ist für sie eine große Herausforderung. Das Traurige ist, dass sie mittlerweile selbst schon ihre beinahe aussichtslose Situation wahrgenommen hat und somit einfach nur deprimiert ist und die HÜ nicht mehr machen will, wobei sie aber wenn sie sich bemüht und man sehr viel Zeit, Geduld und Kreativität im Erklären aufweist schon Fortschritte macht und dann ist es einfach sehrsehr schön sich gemeinsam mit ihr zu freuen. Ich weiß nicht ob die Ursache für diese Lernschwäche darin liegt, dass die Eltern nicht mit ihr lernen, weil sie nicht wollen oder weil sie es selbst nicht besser wissen...

Die Kinder in diesem Projekt sind zum Großteil schreiende Energiebündel (weshalb der Lärmpegel enorm ist), denen haufenweise Blödsinn einfällt, die liebend gerne andere vom Lernen abhalten und zumindest auf mich nicht wirklich hören. Dazu wieder ein kleines Beispiel: Während dem Hausübung machen mit einer 6-Jährigen stört ständig ein gleichaltriger Bub und stiehlt uns den Uhu (um alles zu beschmieren) und die ausgeschnittenen Dinge und beschmutzt das Heft meiner kleinen Hausübungskollegin. Als ich ihn später sehe wie er mit weißem Korrekturstift Tisch und Sessel beschmutzt und ich ihm so ruhig wie möglich erkläre, dass er das nicht machen darf, macht er zuerst genauso gelassen weiter und da ich nicht aufgab drehte er sich einfach weg und hielt sich die Ohren zu... Naja er kann's mir ja auch nicht zu einfach machen. ;)

Kleine Randbemerkung: Über die Sinnhaftigkeit von so mancher Hausübung wage ich das eine oder andere Mal zu zweifeln... Keiner kann mir erzählen, dass in Einerschritten die Zahlen 900-1500 aufzuschreiben zu mehr führt außer zu einem unmotiviertem Kind...

Während der Hausübungsbetreuung sprechen und arbeiten jeden Tag andere Kids mit der Psychologin des Projektes – einige weinen dabei.

Nachdem die meisten der Kinder mit den Hausaufgaben fertig sind und schon ein Zeiterl topmotiviert am herumtoben sind, wird gebetet und sie bekommen eine Jause, die meist aus irgendeinem energiereichen Getränk und einer anderen Kleinigkeit besteht (immer lecker:). Beim Austeilen der Jause helfen uns immer ein paar ältere der Gruppe.
Gleich darauf wird mit den Kindern, die an dem Tag schlimm waren, Geschirr abgewaschen – und wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt sind das meistens die selben die liebend gern abhauen, mit Wasser herumspritzen oder einfach nicht weitertun. Ein paar andere Kids kehren einen der Räume aus und stellen die Sessel zusammen und der Rest macht sich auf dem Heimweg.
Für die Volontäre war's das aber noch nicht: jetzt wird noch geputzt, sprich immer alles ausgekehrt und manchmal auch gewischt (kommt auf die Motivation&Zeit an – sonst wird das von den 2 Burschen die Vormittags schon in diesem Projekt arbeiten am nächsten Tag erledigt) und tja auch das Klo schreit jeden Tag nach Putzen … man glaubt gar nicht wie viel Schmutz und Dreck da an einem Tag so zusammenkommt.
Von diesem Projekt werdet ihr wahrscheinlich nichts mehr hören, da ich nur zum Kennenlernen dort war und ab jetzt im „Feria Libre“ arbeite – von dem ich euch ein anderes mal erzählen werde. :)

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Kommentare: 1
  • #1

    Christian (Dienstag, 08 Oktober 2013 21:17)

    Hallo Carina!

    So wie viele verfolge auch ich gespannt deinen Erzählungen. Wie man heraus liest bedarf es sehr sehr viel Geduld und Nervenstärke, welche wie ich meine sicher zu deinen Stärken zählen. Ich denke bei all deinen Anstrengungen ist jeder noch so kleine Erfolg trotzdem eine riesen Freude und jedes Kinderlächeln schenkt einem weiter Kraft. Ich hoffe dass du neben deiner Arbeit mit den Kids auch noch Zeit hast um weitere wertvolle Erfahrungen für dich zu sammeln.

    Alle Gute weiterhin,
    Lg

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