Eine etwas fordernde Woche ...

da schläft man dann wenigstens richtig gut und überrall ;)
da schläft man dann wenigstens richtig gut und überrall ;)

Freizeit gab's die vorletzte Woche nicht wirklich, weil es einfach immer was zu tun gab und deshalb auch unser freier Tag gestrichen wurde.

Unsere erste Arbeit bestand darin aus (ziemlich hässlichen) rosa Moosgummi (aus Moosgummi machen sie hier ALLES..) Buchstaben im Riesenformat auszuschneiden um den Spruch „Casa donde crece humildad, alegria y sencillez“ (Haus, wo Demut, Freude und Einfachheit wächst) zu bilden. Der Spruch sollte dann für die Ankunft der Chefin aller Salesianerschwestern Ecuadors aufgehängt werden – dazu kam es aber nie, da die Lehrer der Schule genau so rießengroß in Neonfarben auf Schwarz „Bienvenida Sor Beatriz“ vorbereitet haben – tja um sonst bis Mitternacht daran gesessen...

Das nächste größere Projekt war dann 20 Kartonschachteln (für jede Klasse eine, weil es unmöglich ist die Klassen nach und nach abzugehen) mit (Weihnachts-)Geschenkspapier (also eigentlich mussten wir hauptsächlich Geschenkssackerl zerschneiden und draufkleben – das heißt auf einer Schachtel waren dann bis zu 6 verschiedene Muster. Mein Favorit war für die 7. Klasse das Babypapier mit Flascherl und Schnuller.) verpacken. → Verpacken deshalb weil es ja „Geschenke für den Papst“ sind laut Schwester L. Die Geschenke für den Papst sind aber eigentlich die Spenden für den Weltmissionssonntag (ihr denkt euch bestimmt „aber der war ja schon längst“ - tja ecuadorianische Pünktlichkeit eben..). Das Verpacken war für mich echt alles andere als lustig, denn die die mich kennen wissen dass ich aus ökologischen Gründen bevorzuge Geschenke in Zeitung einzuwickeln – und ja ihr könnt mir glauben, das sieht immer noch weit besser aus als das was wir hier fabrizieren mussten. Als Draufgabe wurde extra viel Klebeband verwendet und die Boxen mit extra viel Papstbildern und Flyer aus dem Jahr 2007 „verschönert“. Tja ich bin neugierig wie die Schülerinnen auf die superhübschen Weihnachtsgeschenksboxen reagieren und ich hoff sooo, dass keiner sagt dass wir die gemacht haben. ;)
Abends wurde manchmal mit den Schwestern geprobt (wir hatten ein Lied für die Oberschwester vorbereitet – hörte sich furchtbar an – da nur eine Schwester von uns 8 wirklich singen kann). War aber echt lustig :)). Meistens half ich allerdings in der Küche bis 22 oder 23 Uhr, weil unsere arme Köchin Rosi (22 Jahre, sehrsehr lieb und fleißig) für vieleviele Leute „Colada Morada“ (süßes warmes Früchtegetränk, typisch für Allerheiligen) zubereiten musste. Für dieses Getränk wurden Unmengen von Erdbeeren, Brombeeren und Beeren die aussehen wie Heidelbeeren aber noch viiiiel kleiner sind geputzt und geschnitten werden. Das war eine „zache“ Arbeit das kann ich euch sagen, aber am Freitag kam der Höhepunkt: Weintrauben – juhu dachte ich mir: „Nur entkernen – das ham ma gleich!“ Neinnein, die Weintrauben mussten auch geschält werden... Für eine Weintraube brauchten wir deshalb im Schnitt eineinhalb Minuten – tja und es waren dann doch ein paar...

Samstag fand ein Treffen von 45 Salesianerschwestern in unserem Zuhause statt. Um 6 Uhr morgens begrüßte uns wunderschönes Wetter, doch als wir die Küche betraten begrüßte uns Rosi nicht wie immer mit einem fröhlichen „Buenas dias! Como estas?“ sondern saß weinend am Tisch. Ich dachte mir sie ist so verzweifelt, weil ihr die ganze Arbeit einfach zu viel geworden ist und tröstete sie deshalb mit „Komm, wir machen das gemeinsam – das schaffen wir schon.“. Da hab ich aber ziemlich die falschen Worte getroffen, da der Grund der Tränen der Tod einer unserer Schwestern war... Diese Schwester litt schon lange an Krebs und war in unseren ersten Wochen im Krankenhaus aufgrund einer Operation. Die Zeit die sie hier verbrachte konnte sie das Bett leider nie wirklich verlassen und brauchte quasi eine 24h-Pflege (auch das war Rosi's Aufgabe..). Sie hatte wirklich starke Schmerzen, denn bei jeder noch so kleinen Bewegung stöhnte sie und ein Lächeln kam ihr nie über die Lippen. Lebenswille konnte sie auch nicht mehr wirklich aufbringen und vielleicht wartete sie genau den Zeitpunkt ab, als so viele Schwestern da waren – wer weiß... Die Stimmung war mehr als nur betrübt und ich hatte keine Ahnung was ich tun sollte... Offene Arme für eine tröstende Umarmung waren das Einzige was ich bieten konnte, aber ich glaub in solchen Momenten braucht man vielleicht gerade das und nicht irgendwelche Worte. Was mir persönlich sehr half war, das ich davon überzeugt bin, dass es ihr jetzt besser geht.

Am Tag war unsere Aufgabe einfach alles was angefallen ist: in der Küche helfen, Zeug hin und her tragen, Tisch decken, putzen, Geschirr abwaschen, … Fad war uns auf alle Fälle nicht. ;)

Am Abend wurde gebetet für Sor Rosario (heißt übrigens übersetzt: Schwester Rosenkranz) und eine Messe fand auch statt (bis 22 Uhr). Der teils offene Sarg befand sich, umgeben von vielen Blumen, in der Mitte der Kirche. Während wir beteten bekamen die Schwestern die traurige Nachricht, dass soeben die Cousine der Verstorbenen und Mutter einer Schwester die aufgrund des Treffens gerade bei uns war ebenfalls von uns ging...

Sonntags gaben wir am Vormittag Englischunterricht im Oratorium, nahmen an der Messe mit den Kindern teil und begaben uns direkt danach aufs Begräbnis (übrigens kleiden sich auch hier alle schwarz – bis auf die Schwestern, die bleiben wie gewohnt weiß). Zum Friedhof wurde mit Autos und Bussen gefahren (Trauermarsch gibt es hier in Cuenca nicht – in Guayaquil aber angeblich schon). Der Friedhof ist unglaublich groß und allein hätte ich mich sicher verlaufen. Die Gräber befinden sich hier in der Mauer und während am Friedhof gebetet wird wird der Sarg eingemauert.
Am Nachmittag wollten wir einfach nur mehr Ruhe, welche uns auch die Schwestern gönnten, und schlenderten zum Fluss, wo wir sofort eingeschlafen sind.

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Kommentare: 1
  • #1

    erni (Montag, 11 November 2013 16:26)

    Servus Carina!
    Deine Erzählungen sind sehr, sehr spannend! Man wird süchtig danach ;) !
    Wir sind sehr beeindruckt, wie du deine Aufgaben meisters!
    Alles Liebe Papa und Mama

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