"Schizophrene" Infos über das Projekt >Feria Libre< ;)

 

I: Guten Tag Frau Hofer, schön dass sie sich Zeit für ein Interview nehmen.
C: Hola! Überhaupt kein Problem – ich freu mich ja wenn es wen interessiert. Aber bitte nenn' mich doch Carina.

 

I: Ok Carina, dann fangen wir doch gleich an. Du hast mir gesagt du arbeitest am Nachmittag im Projekt „Feria Libre“ - wo befindet sich das Projekt und mit welchen Kindern arbeitest du?
C: Das Projekt befindet sich bei Cuenca's größten Obst-/Gemüse-/Gewand-/Undeinfachalles-Markt, der mit dem Bus eine halbe Stunde von meinem Zuhause entfernt ist. Die Kinder die zu uns kommen sind Verkäufer bei diesem Markt oder auch Schuhputzer. Sie sind zwischen 4 und 17 Jahre alt und viele von ihnen haben es äußerst schwer, da Gewalt oft zum Alltag gehört.

 

I: Wie viel Kinder kommen in das Projekt?
C: Das ist natürlich von Tag zu Tag verschieden, aber im Durchschnitt sind es 170 Kinder zum Mittagessen, von denen dann ca. die Hälfte am Nachmittag zur Hausübungsbetreuung bleibt.

 

I: Du redest hier von Mittagessen und Hausübungsbetreuung – wie läuft der Nachmittag eigentlich ab und was sind dabei deine Aufgaben?
C: Bis 14 Uhr bekommen die Kinder ein stets leckeres Mittagessen, welches aus einer Suppe, einem Hauptgericht mit Salat, welches eigentlich immer Reis beinhaltet und auch „Reis“ genannt wird, und einem Fruchtsaft besteht. Hier helfe ich beim Essen-austeilen, schau' dass die Kinder aufessen und das Geschirr anständig abwaschen und wische die Tische ab (damit sich schnell wieder neue Kinder hinsetzten können – da wir natürlich nicht alle 170 Kinder zu gleich bewirten können).

Wenn keine Kinder mehr nachkommen beginne ich die Tische und Sessel wegzuräumen und auszukehren – hier kann ich des öfteren erkennen welches Gemüse eher unbeliebt war, weil man das glaub ich nicht nur durch reinen Zufall häufiger am Boden findet.

Zwischendurch wird das Blechgeschirr der Kinder geordnet.

Sobald das letzte Kind aufgegessen hat wird die Abwasch gereinigt und Boden geschrubbt, da sich dort jeden Tag eine Drecklacke ansammelt. Danach wird meist in der Küche geholfen Geschirr abtrocknen und wegräumen.

Die Kinder sind in der Zwischenzeit (nach einigen Aufrufen) schon raufgegangen in den ersten Stock, wo Organisatorisches geklärt wird und sie in die Hausübungsgruppen eingeteilt werden. Wenn meine Hände nicht in der Küche gebraucht werden gehe ich so um 15 Uhr zu den Energiebündeln, um ihnen bei der Hausübung zu helfen. Sobald ich niemanden mehr höre der „Carina ayudame!“ (Carina hilf mir!) schreit und kein verzweifeltes Kind mehr sehe, beginne ich die Jause vorzubereiten (energiehaltiges Getränk/ Kochbananen mit Käse/ Tortilla de Yuca/ Obstsalat/ ….) - also in die Becher füllen bzw. auf die Teller aufteilen und einen Sesselkreis aufzustellen. Manchmal gibt es den Moment, wo mich kein Kind mehr braucht aber nicht, und dann übernimmt den Teil mit der Jause einer meiner 2 Mitvolontäre.

Nach der Jause verlassen die Kinder das Projekt und wir Volontäre machen uns an die Arbeit das Geschirr zu waschen, auszukehren, Sessel wegzuräumen und wenn nötig auch aufzuwischen.

 

I: Und das läuft Montag bis Freitag immer gleich ab?

C: Ah gut, dass du fragst. Also eigentlich läuft hier kein Tag gleich ab – das hier war das Paradebeispiel. Mich überrascht eigentlich jeden Tag was neues spontanes, aber ja im Großen und Ganzen schaut Montag bis Donnerstag so aus. Freitag läuft anders ab, da hier keine Hausaufgaben gemacht werden, stattdessen gibt es sogenannte „Organisierte Gruppen“ … haha … organisiert stellt man sich in Österreich anders vor. Die Kinder haben Energie ohne Ende und es ist schwer mit ihnen in der Gruppe zu arbeiten, weil sie einfach nicht auf mich hören und keine Ruhe haben. Ich habe hier eine Gruppe von etwa 20 Kindern von 8-10 Jahren gemeinsam mit meinem ecuadorianischen Mitvolontär. In der Gruppe bekommen sie Katechismusunterricht (da musste ich bis jetzt noch nichts machen) und danach wird gespielt(auch das stellt man sich in Österreich anders vor, aber hier ist generell alles chaotischer).

 

I: Wird Montag bis Donnerstag überhaupt nicht gespielt?
C: In der Gruppe eigentlich nicht, weil dafür leider keine Zeit bleibt, allerdings spielen die Kinder in der Zeit zwischen Essen und Hausübungsbetreuung und zwischen Hausübungsbetreuung und Jause.

 

I: Was spielen sie da? Welche Möglichkeiten gibt es im Projekt?
Am beliebtesten ist unser Airhockeytisch für die Größeren und die Minimotorräder und Spielpferde für die Kleineren – mit denen cruisen sie durch den ganzen COS. Weiters gibt es einen Billardtisch und einige Puzzle und andere Spiele – die alle unvollständig sind, aber trotzdem eifrig verwendet werden. Echt verwundert hat mich als ich einmal mit einer 10-Jährigen ein Puzzle mit 12 Teilen gemacht hab und das für sie echt eine große Herausforderung war ...

 

I: Bietet das Projekt all das gratis an?

C: So gut wie ja. Die Kinder bezahlen 10 Centavos (~8 Cent) für das Mittagessen, für welches man normal mindestens 2$ (also 200 Centavos) bezahlen würde. Zum satt werden reichen sonst in Cuenca keine paar Centavos, da es die teuerste Stadt Ecuadors ist. Die Kids die am Nachmittag da bleiben bezahlen dafür nichts und die Jause ist auch gratis.

 

I: Bekommt ihr ständig neue Kinder?

C: Leider können sich keine neuen Kinder mehr inskribieren, da die Kapazität des Projekts bereits überschritten ist.

 

I: Wie viel Angestellte gibt es im „Feria Libre“?

C: 2 in der Küche – die offiziell bis 16 Uhr arbeiten, allerdings bleibt eine davon fast immer unbezahlt bis 17 Uhr oder sogar 17:30, da es so viel zu tun gibt. Eine, die die Hauptverantwortliche der Hausübungsbetreuung ist. Einer, der mit den Familien der Kinder arbeitet. Mit mir sind wir derzeit 3 Volontäre, allerdings geht der Volontär von Guayaquil im Jänner und das Volontariat des anderen Österreichers endet im Februar. Für das Mittagessen haben wir die Unterstützung von 1-2 deutschen Volontärinnen. Weiters macht dieses Jahr eine Psychologin hier ihr Praktikum um das Studium zu beenden. Beim Hausübung machen helfen manchmal Praktikanten von der Uni.

 

I: Was ist der schönste Moment des Tages?

C: Lustig das du das fragst, denn das hat mich letztens ein Argentinier gefragt den ich kennenlernte und dann hab ich erst realisiert, dass es am Allerschönsten ist, wenn ein Kind nach vielen kreativen Erklärversuchen versteht wie es funktioniert und ich mich gemeinsam mit ihm freuen kann. Richtig motivierend ist auch, wenn ein Kind am Tag darauf mit einem Strahlen im Gesicht zu mir kommt und sagt: „Carina, ich hab 10 von 10 Punkten!!“.

 

I: Möchtest du zum Abschluss noch irgendwas sagen?

C: Danke für das Interesse und ein noch größeres DANKE für alle die mich unterstützen und immer hinter mir und meinem Wunsch ein Volontariat zu machen stehen. Ah und ich hoffe meine Leser halten mich jetzt nicht für völlig verrückt, weil sie das in Interviewform zu lesen bekommen, aber ich find' es halt irgendwie so lustiger und hoff ihr auch. ;-)

P.S.: Für mich ist es schwer zu wissen was interessant ist, also falls was wichtiges fehlt fragts einfach. :)

1. Foto: Küche
2. + 3. Foto: zeigen den Comedor (Essraum)
4. Foto wie es nach dem Putzen nach dem Mittagessen und nach der Jause aussehen muss (lang siehts aber nie so aus - bis die Kinder wieder kommen halt)
7. + 8. Foto: Hausübung machen :)

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email: hofer_carina@gmx.at

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