Weihnachtsstimmung bei 30°, Sonnenschein und Faschingskostümen? Wohl eher nicht...

 

Tut mir Leid, dass ich so lang nichts berichtet hab, aber obwohl ich aufgrund der sommerlichen Verhältnisse nie in Weihnachtsstimmung kam, hatte ich doch den wohlbekannten Weihnachtsstress – und den im entspannten Ecuador sogar noch mehr als im stressigen Europa. Es gab einfach viele Sonderevents in der Schule, in der Comunidad (Schwesternhaus) und im COS (Nachmittagsprojekt). Von ein paar möchte ich euch erzählen:

 

  • Novena: Bei einer Novena wird je nach Publikum gesungen, gebetet, Texte/Lesungen gelesen, Fürbitten ausgesprochen und über moralische/christliche Fragen philosophiert (wie z.B.: dass man Gott nicht nur bitten sollte, sondern dass Danke sagen genau so wichtig ist etc.). Im Großen und Ganzen ist es vergleichbar mit Herbergsuchen (mit ähnlichem Lied wie „wer klopfet an ...“) – nur ist das hier so wichtig, dass es in unsere Schule täglich eine gab vor dem Unterricht, Nachmittags wurde im COS nach dem Mittagessen mit allen Kindern um die Krippe versammelt Novena gehalten (einmal gingen wir auch zu dem Haus eines Kindes und feierten vor dem Haus – war aber auf Dauer zu zeitaufwendig) und Abends trafen sich die Katechisten/Jugendgruppenleiter (also die, die Sonntags bei uns im Oratorium sind) jeden Tag in einem anderen Zuhause von einem der Mitglieder – diese haben mir besonders gefallen: sie waren lebendig, freudig und ja einfach schön.

  • Paso de los ninos: Hier verkleiden sich die Kids und dann wird durch die Straßen spaziert. Diesen („Faschings“)-Umzug gab es in Großformat (so groß und berühmt, dass es auch im Fernsehen übertragen wurde) in der Stadt am 24.12 mit viel Schmuck, Pferden (die Käfige mit Tieren wie Hasen oder Hühnern trugen – bei der Hitze lebten aber leider nicht mehr alle der eingesperrten leidenden Tiere) und unzähligen in Stoff eingehüllten Autos.
    Wir machten das auch gemeinsam mit allen 4 COS und feierten danach eine feierliche Messe, es gab ein paar kleine Tanzeinlagen von Mitarbeitern/Kindern und zum Abschluss erhielten alle Kinder ein Süßigkeitensackerl, ein Spielzeug (Puppe, Fußball oder Kuscheltier) und Pan de Pascua (übersetzt:
    Osterbrot – das ist süßes Weißbrot mit Trockenfrüchten; anfangs fand ich es noch gut, aber zu Weihnachten wird das so im Übermaß gegessen, dass ich froh bin wenn ich mich davor drücken kann;) - finanziert wurde das von Spenden aus Spanien und PACES selbst.
    Im Miniformat (10min) mit den Wenigen die verkleidet zum Oratorium kamen, gab es diesen Paso de los ninos auch letzten Sonntag.
    Mehr Sinn als Tradition steckt glaub ich nicht hinter diesem Umzug, denn die Kinder sind nicht nur als Hirten, Maria, Josef, Hl. 3 Könige und Engel verkleidet – die Mehrheit ist Cholo, Cholita, … = das sind Bevölkerungsgruppen mit besonderer Tracht (wie bei uns z.B.: Dirndl & Lederhose), was für mich absolut keinen Zusammenhang mit Weihnachten hat, aber naja nett hat's ausgeschaut. ;)

  • Charityevent in unserer Schule: Einige Mädchen aus unserer Schule erhielten den Namen und das Alter eines armen Kindes des Landes, um es zu beschenken. Und so fuhren wir mit den zwei sechsten Klassen am letzten Schultag aufs Land um die Geschenke mit Gewand, Schuhen, Spielzeug und Süßigkeiten den Kindern zu überreichen. Davor gab es noch eine gemeinsame Messe und eine nette Tanzaufführung der Kinder – was die Kinder ein bisschen gemein fanden, da beide Seiten (Schenker und Beschenkte) zunehmend aufgeregter wurden → umso schöner war dann der Moment der Übergabe … einfach herrlich diese freudestrahlenden Augen :)

  • Eventgottesdienste gab es natürlich auch so einige.

 

Noch mehr oder weniger interessantes rund um Weihnachten:

 

Weihnachtslieder hab ich hier so viele gehört und gesungen (nur keine bekannten), dass ich jetzt kein deutsches (außer „Stille Nacht“) mehr weiß. Ich schlaf' auch jetzt noch jeden Tag mit einem Weihnachtslied-Ohrwurm ein und wach mit einem anderen wieder auf. ;)

 

Das Weihnachten war, hab ich nach wie vor nicht realisiert, weil es erstens viel zu warm dafür ist, zweitens das bedeutet, dass ich tatsächlich schon 4 Monate da bin (?!), drittens Weihnachten ohne Familie einfach kein wirkliches Weihnachten ist. Trotzdem war es eine wirklich interessante und auch sehr nette Erfahrung, von der ich froh bin sie erlebt haben zu dürfen.

 

Als wir die Schwestern fragten ob sie den Keksausstecher hätten, weil wir gern Weihnachtskekserl machen würden, haben sie uns beinahe ausgelacht „die kaufen wir“ → selbst machen gibt’s hier einfach nicht. Naja wir wollten trotzdem ein Stück Heimat und begaben uns auf Ausstechersuche. Da haben wir auch gleich was gefunden, allerdings leistbare Nüsse für Vanillekipferl zu finden war ein Ding der Unmöglichkeit (ca. 4x so teuer wie bei uns). Darum wurden die einfachsten Keks gemacht – was bei der Küchenausstattung herausfordernd genug war. Bis auf ein paar verbrannte lief es aber im Großen&Ganzen gut ;D (mit Gasherd ohne Temperaturangabe backen ist auch echt nicht sooo einfach).

 

Obwohl es hier keinen Schnee gibt, und für sie auch Blumen weihnachtlicher sind, findet man auf den Geschenksackerln Schneemänner & co. :D

 

Das typische Weihnachtsessen haben sie sich hier von den USA abgeschaut: Truthahn.

 

Weihnachtsbäume sind hier mit Kugeln, Lichtern und Girlanden verhüllt und sind immer aus Plastik.

 

Weihnachtsmärkte“ gibt es, allerdings verkaufen sie hier ausschließlich unbrauchbares unspektakuläres wie Stofftiere - und ja Glühwein, Punsch & co gibt’s leider nicht.

Die Geschenke bringt hier Papa Noel.

 

Adventkränze gibt es – sind allerdings auch aus Plastik und sehen etwas anders aus: um die 4 Kerzen (violett, grün, rosa, weiß) werden ein paar grüne Plastikzweige in Kreisform gelegt.

Den Brauch des Wichtelns gibt es hier auch - nur läuft das etwas spontaner ab: man wichtelt maximal 4 Tage vorher (und wenn man an diesen 4 Tagen arbeitet dann kauft mans halt einfach direkt vorher oder so^^) und muss mindestens 5$ ausgeben. Gewöhnungsbedürftig und stressig, aber war auch mal interessant. ;)

 

Mit Weihnachtsschmuck wird hier eindeutig übertrieben: einfach zu viel und Kitschkitschkitsch mit Glitzer, Glanz & Lichtern – ja obwohl die Schwestern immer auf „Einfachheit“ wert legen, sind sie was Dekoration angeht alles andere als einfach und schlicht. Ecuadorianer lieben es einfach möglichst viele Blinklichter und Moosgummi-Sprüche anzubringen. Aber noch mehr lieben sie Krippen …

das weiße Asterl mit roten Blinklicht und Jesukind in der Mitte war unser Christbaumersatz... ;)
die rote Blume ist Teil der Weihnachtsflussdeko

das Foto mit dem Riesenchaos wo ich dasitz war einer unserer Bastelabende (machten Geschenksboxen mit Kekserl für die Schwestern und unsere Wichtel)

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